Michel BRAS & KAI


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Aubracs Einwohner und die Pilger von Compostela

Im Mittelalter wurde Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens ein Hauptwallfahrtsort für christliche Pilger, weil man glaubte, dort die Überreste des Heilgen Johannes gefunden zu haben, eines der zwölf Apostel. Es wird geschätzt, dass etwa 500000 Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela über die Pyrenäen wanderten.

Einer der Wallfahrtswege führte durch Aubrac. Die rauen und tief verschneiten Winter auf der Hochebene – die teilweise auf einer Höhe von mehr als 1000 Metern liegt – waren besonders gefürchtet von den Pilgern.

Der Legende zufolge wurde in der Nachbarschaft von Aubrac der Viscount Aldar von Flandern von Räubern angegriffen und wäre fast in der Kälte umgekommen. Er betete zu Gott um Hilfe und schwor ein Kloster für Pilger zu gründen, wenn sein Leben verschont bliebe. Weil er den Überfall überlebte und sicher von seiner Wallfahrt zurückkehren konnte, errichtete er das Aubrac Kloster und das angegliederte Krankenhaus.

Über Jahrhunderte hinweg hießen die Einwohner Aubracs die Pilger willkommen und halfen ihnen bei ihren Strapazen und in ihrer Verzweiflung. Das Kloster gab ihnen Nahrung und Schutz. Während der Winterstürme läutete die Glocke die ganze Nacht, um den erschöpften Schritten der Pilger den Weg zur Gastfreundlichkeit zu weisen, die sie dort erwartete. Auf der Glocke ist der folgende lateinische Spruch eingraviert: „Preise den Herrn, läute für die Geistlichen, wehre den Teufel ab und versammle verlorene Seelen.“